VERTEILUNG
Lohn-Kaufkraft sinkt auch im Aufschwung
Der Anteil der Löhne am Volkseinkommen geht weiter zurück. Die öffentliche Abgabenpolitik verstärkt die Verteilungs-Schieflage. Schlechte Aussichten für Wachstum und Armutsbekämpfung.
Die Wirtschaft hat zuletzt kräftig zugelegt. Doch den langjährigen Schwund beim Kaufkraftpotenzial der Arbeitseinkommen hat der Aufschwung nicht gestoppt. Das entsprechende Maß, die Nettolohnquote, sank erneut – auf 40,5 Prozent des privat verfügbaren Volkseinkommens 2006 und 38,8 Prozent im ersten Halbjahr 2007, so der neue WSI-Verteilungsbericht.* Das ist der niedrigste Wert seit 1960.
Noch ein Tiefstand: Die Kaufkraft der Arbeits-Einkommen macht nur noch rund ein Viertel der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage aus. Zahlen, die zeigen, wie zweifelhaft „eine nachhaltige Entwicklung der Binnennachfrage und damit auch von Wachstum und Arbeitsmarkt ist – und wie labil der vom Export getriebene Aufschwung bleibt, je mehr sich erkennbare weltwirtschaftliche Risiken verstärken“, schreibt der WSI-Verteilungsexperte Claus Schäfer.
Eine echte Verteilungs-Trendwende ist nach Schäfers Analyse nicht absehbar – trotz des aktuellen Beschäftigungsaufbaus. Grund: Viele der neuen Stellen sind eher schlecht bezahlt, das verstärkt weiter wirkende „einkommensdämpfende Faktoren“ wie die Ausweitung des Niedriglohnsektors. Besonders Besorgnis erregend sei der anhaltende Anstieg der Einkommensarmut.
Dagegen legten die Einkommensanteile aus Gewinnen und Vermögen erneut zu. 2006 machten diese Einkommen, die meist einer relativ kleinen Personengruppe zufließen, 33,8 Prozent des privat verfügbaren Volkseinkommens aus. Dazu tragen die – vor und nach Steuern – wieder hohen Gewinne vieler Unternehmen maßgeblich bei.
Die Große Koalition versuche zwar angesichts der Verteilungsprobleme gegenzusteuern, etwa durch den verlängerten ALG-I-Bezug oder den geplanten erweiterten Kinderzuschlag. Doch selbst wenn alle Regierungsvorhaben – inklusive Mindestlohnregelung – umgesetzt würden, „wären sie in Reichweite und Dimension völlig unzureichend“, so Schäfer. Dafür sei der grundsätzliche Kurs der Politik immer noch zu einseitig: Die Masseneinkommen würden wie zuletzt mit der Mehrwertsteuer belastet, die Gewinn- und Kapitaleinkommen demnächst durch Unternehmensteuerreform und Abgeltungsteuer noch einmal besser gestellt.
*Quelle: Claus Schäfer: Erste Reue über letzte Verteilungssünden? Zur
Entwicklung der Einkommensverteilung 2006, in: WSI-Mitteilungen 11/2007
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DIE LINKE Kreisverband Bodensee
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